Adventmail 2020/22 (Krankheit)

Ich gebe „krank“ in unser Redaktions-Volltextarchiv ein und stoße auf einen alten Bekannten. Johannes Huber, Wiener Mediziner und Theologe, hat ein neues Buch veröffentlicht. Es heißt “Das Gesetz des Ausgleichs. Warum wir besser gute Menschen sind” und kann zusammengefasst werden mit: Gute Menschen sind gesünder und leben länger als Menschen, die sich von ihrem Egoismus leiten lassen, sie sind auch besser geschützt vor innerer Leere und Hoffnungslosigkeit.
Und, so behauptet es der Gynäkologe und Hormonspezialist: Durch gutes Verhalten sinkt der Spiegel der Stresshormone im Blut, was Entzündungsprozessen und Folgeerkrankungen wie Krebs vorbeugt. Ebenso profitiere das Herz-Kreislauf-System. Verhaltensweisen wie die Bereitschaft zum Kompromiss belohnt der Organismus laut Huber mit der Ausschüttung des Hormons Dopamin, das einen besseren Schlaf bewirkt und damit stärker und widerstandsfähiger macht. Zudem verändert sich durch gutes Verhalten das Erbgut, weshalb es über die nächsten Generationen auch Wellen in die Zukunft schlägt.
Dieser Johannes Huber (74), den zumindest zwei meiner Adventmailempfängerinnen als Arzt kennen, ist eine schillernde Persönlichkeit. Geboren in Bruck/Leitha, maturierte er (wie Engelbert Dollfuß, Hans Hermann Groër, Hermes Phettberg und Helmut Schüller) im kirchennahen Gymnasium Hollabrunn, studierte Theologie und Medizin und war als Doppeldoktor zehn Jahre lang Sekretär des unvergessenen Kardinals Franz König. Gerüchte, dass er dessen Sohn sei, bezeichnet er als schmeichelhaft, aber unzutreffend. Das Verhältnis von Glauben und Wissenschaft beschäftigte Huber seit jeher; 1978 gewann er für ein Symposium zu diesem Thema Kapazunder wie Viktor Frankl, Golo Mann, Konrad Lorenz und Erich Fromm. Mit Karl Popper korrespondierte er über Evolution, die laut Huber nicht nur “per random”, also zufällig, sondern auch “directed”, gesteuert, abläuft. Als Abteilungsleiter im Wiener AKH errichtete er die österreichweit erste und einzige Ambulanz für Transsexuelle und Transgender-Menschen, später leitete er die Frauenklinik im Wiener AKH, war Vorsitzender der Bioethik-Kommission und Verfasser mehrerer Bücher, zuletzt des oben genannten.
Aber echt jetzt: Gesünder und länger lebend durch Nettsein? Und diesbezüglich ein “Charakter-Trainingsprogramm” aufnehmen? Ob da was dran ist?
Nun gut, nur zur Sicherheit: Liebe Söhne, sofern ihr das lest, seid mal so richtig nett zu eurem Papa, ruft zu seinem Geburtstag und auch sonst wöchentlich an, erkundigt euch nach seinem Wohlbefinden, ladet ihn zum Essen und Sporteln ein… Ich denke bei all dem natürlich nicht an mich selbst, denn laut Johannes Huber ist das alles zu EUREM Besten!

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