Adventmail 2020/05 (Krankheit)

Apropos Spanische Grippe: Krankheiten wurden und werden gerne geographisch verortet. Es gab die „Englische Krankheit“, eine meist mit Vitamin-D-Mangel verbundene Erkrankung des wachsenden Knochens und Desorganisation der Wachstumsfugen bei Kindern, die früher mit Lebertran behandelt wurde. Die „Franzosenkrankheit“ ist die Lustseuche Syphilis, eine chronische Infektionskrankheit, die sich in vielfältigem Haut- und Organbefall äußert. Nochmal zurück über den Ärmelkanal: Der „Englische Schweiß“ trat im 15. und 16. Jht. in fünf Seuchenwellen hauptsächlich in England auf und tötete die stark schwitzenden Infizierten innerhalb weniger Stunden. Ursache unbekannt.
Neueren Datums ist das infektiöse Marburgfieber, das jedoch nicht aus Deutschland oder Slowenien stammt, sondern von einer in Afrika und Europa heimischen Fledermausart ausging. Das Trump’sche „Chinese Virus“ wurde zwar erstmals im Dezember 2019 in Wuhan beschrieben, der Ursprung ist aber noch nicht wirklich geklärt, offenbar waren auch hier Fledermäuse der Ursprung.
Als Angehöriger des wilden Bergvolkes hinter dem Semmering wende ich mich noch kurz dem „Steirischen Kropf“ zu. Wobei ich in den meinen ersten 25 Lebensjahren, die ich dort verbrachte, nie einen großkropferten Steirer sah, höchstens manch großkopferte.
1748 war das offenbar noch anders: „So ansprechend das Land in seiner Rauheit ist, so wild, entstellt und monströs sind die Bewohner in ihrer Erscheinung. Sehr viele von ihnen haben hässliche, geschwollene Hälse. Kretins und Taubstumme tummeln sich in jedem Dorf herum“, schrieb der schottische Philosoph und Diplomat David Hume damals aus Knittelfeld in seine Heimat, als er auf seiner Reise von Wien nach Turin ein paar Tage im oberen Murtal verbrachte. Der Anblick der Leute erschien ihm als „der schockierendste, den ich jemals gesehen habe“.

Eine “Struma” als die tastbare, sichtbare und mess-
bare Vergrößerung der im Hals befindlichen Schild-
drüse wird auch Kropf genannt (veraltet: Satthals)

Jodmangel war der Grund für die Verunstaltung vieler Alpenländler, nicht nur der Steirer. Erst 1892/93 forschte der spätere Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg nach Ursachen und Heilungsmöglichkeiten für diese Struma genannte Schilddrüsenkrankheit und behandelte kretinöse Kinder erfolgreich mit jodhaltigen Tabletten.
Und wem diese Geschichte zu wenig süß ist, sage ich nur eins: Steirabluad is ka Himbeasoft!

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