Adventmail 2020/04 (Krankheit)

Gegen die Spanische Grippe der Jahre 1918 bis 1920 ist die Covid-19-Pandemie trotz der gegenwärtigen Todeszahlen „a Lapperl“, wie man in Ostösterreich zu einer Lappalie sagen würde. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg, der 17 Millionen Todesopfer forderte, brach über die Welt eine weitere Katastrophe herein. Durch die drei Wellen dieser Influenza-Pandemie starben bei einer Weltbevölkerung von damals etwa 1,8 Milliarden zwischen 20 und 50 Millionen Menschen. Anders als bei Covid-19 waren davon vor allem 20- bis 40-Jährige betroffen, die Sterblichkeitsrate der Infizierten lag bei 5 bis 10 Prozent. Andere Influenza-Pandemien weisen eine Letalität unter 0,1 Prozent auf.
Unter den prominenten Opfern waren Max Weber, Egon Schiele, Sigmund Freuds Tochter Sophie, der schwedische Prinz Erik Gustaf, Rose, die Schwester von US-Präsident Grover Cleveland, Mehmed V., das Oberhaupt des Osmanischen Reiches und Frederick Trump, der Großvater von Donald Trump, der das Covid-19-Virus gerne als „Chinese Virus“ bezeichnet.
Bei der Spanischen Grippe wurde zunächst tatsächlich China als Ausgangspunkt vermutet. In Harbin war im Oktober 1910 eine Epidemie ausgebrochen, deren Symptome jenen der Spanischen Grippe ähnelten. Heute gelten die USA als der wahrscheinlichste Ausgangspunkt. Im Jänner 1918 kam es dort zu den ersten virulenten Grippeausbrüchen, durch Truppenbewegungen im Zuge des Weltkriegs breitete sich die Pandemie weltweit aus.
In New York stellte man übrigens das Spucken auf der Straße unter Strafe, um Ansteckungen vorzubeugen. Etwa 500 Personen wurden verhaftet, weil sie dagegen verstießen.

(von gestern noch aufzuklären: Zipperlein = Urikopathie bzw. Gicht, Rotlauf = Neurodermitis, Gürtelrose und andere Hautausschläge, Nervenfieber = Typhus oder Dysenterie, Fallsucht = Epilepsie, Gallsucht = Ikterus bzw. Gelbsucht)

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