Heute ein Nachtrag zum heuer vernachlässigten Krampus, dem unflätigen Nikolo-Begleiter.
„Wer guad pfoazt, braucht kan Oazt“, hieß es in der Steiermark. In Wikipedia gibt es einen ausführlichen Beitrag zum Flatus, wie der Darmwind wissenschaftlich heißt, auch Furz genannt oder Pups, Pimpf, bayerisch Schoaß, österr. Schas – Ausdrücke, „die zum Teil als vulgär empfunden werden“. Sogar ein Tonbeispiel findet sich im Internetlexikon, alle Achtung.
Ungeachtet der tröstlichen steirischen Volksweisheit gelten Fürze als peinlich, sind dadurch potenzielle Heiterkeitsquellen („…da lässt der Vater einen krachen. / Ei, wie da die Kinder lachen! / So kann man auch mit kleinen Sachen / Kindern große Freude machen.“). Windenergie aus dem Gedärm ist jedenfalls ein normales Ergebnis der Verdauungsvorgänge von höheren vielzelligen Tieren, darunter auch Goldfische, Frösche, Pythonschlangen und so gut wie alle Säugetiere. Mag also sein, dass auch ZiB-Redakteuren beim Moderieren, der Queen bei Adelsempfängen oder dem Papst beim Niederknien vor dem Altar schon einmal einer entfleucht ist. Derlei kann durchaus für Belustigung sorgen. Nach Ansicht von Ärzten gelten 24 Gasabgänge in 24 Stunden als normal, erst eine höhere Quote würde als Flatulenz bezeichnet. Erfolgversprechend behandelt wird sie laut einer deutschen „Beobachtungsstudie“ mit einer Pflanzenkombination aus Myrrhe und Kamille plus Kaffeekohle. Auch Bauchmassagen und Wärmflaschen seien hilfreich.
Problematischer als menschliche Gasabsonderungen sind jene der Wiederkäuer: Nach FAO-Schätzungen sind sie die Verursacher von 18 % der anthropogenen Treibhausgasemissionen, 65 % der Lachgasemissionen, 37 % der Methanemissionen und 9 % der Kohlenstoffdioxid-Emissionen. Also bitte: weniger Fleisch essen, allerdings auch Blähendes wie Vollkornbrot, Hülsenfrüchte oder Zwiebeln meiden.
Das Thema ist auch kulturrelevant: Es gab/gibt Kunstfurzer, die durch gezieltes Spannen des Darmschließmuskels die Tonhöhe der Abwinde modulieren. Berühmtheit erlangte der Franzose Joseph Pujol (1857-1945), der unter dem Künstlernamen Le Pétomane (von frz.: le pet „der Furz“) u.a. im Pariser Moulin Rouge auftrat und dort etwa die Marseillaise oder das Kinderlied „Au clair de la lune“ intonierte. Pujol, dessen Leben mehrfach verfilmt wurde, soll die Fähigkeit gehabt haben, via Anus Luft einzusaugen und damit Geräusche und Töne zu produzieren. Ob er auf seinen Tourneen an den Hotelrezeptionen gleich mal einen Koffer abgestellt hat?
