Trauer ist ein Gefühl, das mir bisher wenig zu schaffen machte. Zumindest in Bezug auf mir nahestehende Menschen. Beide Eltern (84 und 80 Jahre alt) leben noch, dazu noch alle 8 Geschwister meiner Mutter und 2 von 3 Geschwistern meines Vaters. Schmerzhaft nahe kam mir der Tod 1989, als meine liebevolle Großmutter plötzlich drei Wochen nach meinem Großvater starb, und 2018, als meine Schwiegermutter sehenden Auges ihrem Tod entgegenging. Trauer empfand ich auch um Persönlichkeiten wie Erich Fried, Georg Danzer, Christine Nöstlinger, Arik Brauer, Niki Lauda, John Lennon oder David Bowie.
Das Thema Sterben war zuletzt öfter mal Thema in meiner Ehe, angestoßen durch die Frage: Wer erbt was nach unserem letzten Atemzug? Das führte zum Nachdenken über: Wie wollen wir bestattet, betrauert werden, in Erinnerung bleiben? Auch an Claudia und mir zeigt sich die verbreitete Abkehr vom Traditionellen, nämlich eine Grabstätte auf einem Friedhof, die von Hinterbliebenen aufgesucht und gepflegt werden soll. Dabei hatte ich mir schon vor vielen Jahren überlegt, auf meinem Grabstein möge einmal „Gloria dei homo vivens“ geschrieben stehen; das hätte eine doppelte Pointe, wie ich meinte: Das lateinische Kirchenväter-Zitat „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“ wäre sowas wie „In your face, Trauerklöße und Totenkultpfleger!“, und zweitens würde es auch konterkarieren, dass ich wegen schlechter Lateinkenntnisse eine AHS-Klasse wiederholen musste.
Naja, das muss nicht mehr sein. Weiterhin gut gefällt mir ein anderer alter Gedanke: Bei meiner Trauerfeier sollte „Silence“, komponiert von Jazzbassist Charlie Haden, zu hören sein, in der Version mit Jan Garbarek am Sax und Egberto Gismonti am Klavier (findet man auf Spotify, nicht aber auf YouTube). Schweigend mögen die um mich Trauernden der schwermütigen und zugleich schwebend leichten Melodie lauschen und dabei Erinnerungen an mich wachrufen. Mag sein, dass dies ein wenig voreilig erscheint, wenn ich das als recht gesunder und fitter 62-jähriger niederschreibe, aber vielleicht erinnert sich in sagen wir 25 Jahren jemand an diesen Wunsch und sorgt für dessen Erfüllung.
Ach ja: kein Begräbnis im Grabschacht, lieber eine Feuerbestattung und danach die Urne in einem von der Stadt Wien dafür freigegebenen Waldstück beisetzen. Dort dann Abschiedsgesten mit Erde auf die Urne schütten und Blume dazuwerfen. Und gemeinsam was trinken gehen und mit Anekdoten auf den Lippen auf den zur Auferstehung Bereiten (der die Zeit wie ein altes Kleid abgelegt hat) anstoßen…