Adventmail 2021/08 (Gefühle)

Dr. Bruce Banner ist Nuklearphysiker im Dienst der Waffenindustrie. Beim Versuch, den jungen Rick Jones vom Testgelände einer von ihm entwickelten „Gamma-Bombe“ zu retten, fällt Banner einem Attentat zum Opfer und nimmt eine gewaltige Dosis Gammastrahlung auf. Das bewirkt jedoch nicht – wie bei unsereinem/r –Krebs, Leukämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Trübungen der Augenlinse, nein, Bruce Banner wird zum Superhelden „Hulk“ und verwandelt sich fortan bei jedem Anflug von Wut in ein grünes, muskelbepacktes Monster.
Es geht also um Wut – ein in unserer Kultur meist verpöntes Gefühl, weil es nicht der gesellschaftlich erwarteten Selbstbeherrschsucht entspricht. Und ich muss zugeben, auch ich habe kein besonderes Talent dafür, in manchen Situationen zum „Häferl“ zu werden und so Psychohygiene zu betreiben oder meinen Willen durchzusetzen. Meine Aggression nimmt meist den Umweg über Stichelei und Sarkasmus.
Dabei zeigen wissenschaftliche Studien, dass häufig unterdrückte Wut zu Krankheiten wie erhöhtem Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, größerem Herzinfarktrisiko und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems führen kann. Manche PsychologInnen gehen davon aus, dass unerwünschte Folgen auch Depressionen, Essstörungen und Alkoholismus sind.
Also – nur Mut zur Wut als reinigendem Gewitter? Nun ja, „Blitzableiter“ wären nicht schlecht, bevor durch Tobsucht das Familienporzellan fliegt oder im Jähzorn gar Gewalt ins Spiel kommt. Es wird empfohlen, „Wut angemessen auszudrücken oder zu kanalisieren, etwa durch Sport, Gespräche, Imaginationen, kreativen Ausdruck oder Entspannungsmethoden“, weiß das immerkluge Wikipedia.
Am 1. Dezember schmunzelten wir in der Redaktion über Tipps von „Beziehungsratgeber“ Papst Franziskus, wie mit Zorn in einer „reifen Beziehung“ umzugehen sei: “Manchmal streiten wir uns, das kommt vor. Manchmal fliegen auch die Teller, na gut, das kommt vor”, wurde Franziskus von unseren Rom-KollegInnen zitiert. Entscheidend sei, dass man den Tag nie beende, ohne Frieden zu schließen. Dafür reiche oft am Abend „eine kleine Geste wie ein Tätscheln oder Streicheln“, riet der 84-Jährige. Auf jeden Fall gelte es, “Kalten Krieg am nächsten Tag” zu verhindern.

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