Zur heutigen Emotion „Bewunderung“ ein Rückblick: Als Teenager bewunderte ich Sportstars am meisten. Ab etwa 10 Jahren las ich entsprechende Biografien, meine Helden waren Jochen Rindt, dessen Tod in Monza 1970 mich entsetzte, Karl Schranz, dessen Ausschluss von Olympia 1972 mich empörte, Annemarie Pröll, die mir nicht genug siegen konnte, und Muhammad Ali, für dessen Fights ich mitten in der Nacht vor dem Fernseher saß.
Später folgten MusikerInnen wie John Lennon (die Songs der Beatles begleiteten mich schon lange vor meinem Interesse für John und auch Paul), Billie Holiday, David Bowie und Stevie Wonder, Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Erich Fried, Johannes XXIII., Ingeborg Bachmann und Barack Obama (kaum Frauen, ich weiß).
Letzterer ist auch Ranglistenerster in der 2020 erstellten „YouGov“-Studie mit mehr als 45.000 Befragungen in 42 Ländern und Territorien. Wer mag, soll jetzt kurz die Augen schließen und raten, wer in den Top 10 der meistbewunderten Männer und Frauen weltweit vorkommt – die Lösung schreibe ich am Ende dieses Beitrags.
Inzwischen merke ich, dass meine Neigung, ja sogar die Bereitschaft zur Bewunderung herausragender Menschen gesunken ist. Liegt wohl am Alter und an der geschwundenen Notwendigkeit, mich an anderen zu orientieren, um mein Eigenes zu finden.
Aber Bewunderung im Sinn von Hochachtung, Wertschätzung, Stolz für und über andere empfinde ich natürlich immer noch. Sie ist halt näher gerückt und nicht mehr so „unerreichbar“ wie ehedem. Beispiele?
- die Fähigkeit meines jüngsten Sohnes Fabian, sich an komplizierte Spielanleitungen zu erinnern und sie (nochmals) höchst verständlich zu erklären
- die Naturbegeisterung und Bewegungsfreude meines 80-jährigen Vaters, der mehrmals wöchentlich auf Berge in der Umgebung Salzburgs steigt
- der Wissensdurst und das umfassende Interesse meines Freundes Rudi, die auch nach seiner Pensionierung ungebrochen sind
- die Art, wie mein Chef Paul sein Chefsein ausübt – auf Austausch bedacht und wohltuend unhierarchisch in einer meist recht hierarchischen Kirche
- die Art, wie mein Freund Seppl mit seiner langjährigen Parkinson-Krankheit umgeht, wie viel verschmitzte Altersweisheit er angehäuft und sich zugleich Agilität bewahrt hat, die mich z.B. beim Tischtennis chancenlos sein lässt
- die Anteilnahme meiner Frau Claudia am Leben anderer und ihre unzerbrechliche Bereitschaft, sich für andere einzusetzen
Und hier – reichlich US-lastig – die zehn im Jahr 2020 meistbewunderten Frauen und Männer: Michelle Obama, Angelina Jolie, Königin Elizabeth II., Oprah Winfrey, Jennifer Lopez, Emma Watson, Scarlett Johansson, Peng Liyuan, Taylor Swift, Shakira; Barack Obama, Bill Gates, Xi Jinping, Narendra Modi, Jackie Chan, Cristiano Ronaldo, Jack Ma, Dalai Lama, Elon Musk, Keanu Reeves. Jeweils 18.: Greta Thunberg und Papst Franziskus.