Adventmail 2021/03 (Gefühle)

Belustigung bzw. amusement nennt sich die einzige auf Humor bezogene Gefühlsregung in der emotionalen Landkarte der Berlekey-Forscher. Eindeutig zu wenig, wie ich finde. Schon die alten Römer unterschieden zwischen dem extrovertierten „gaudium“ und der zurückhaltenden „laetitia“. Und jedeR von uns kennt den emotionalen Unterschied zwischen schenkelklopfenden Lachanfällen und feinsinniger, mit erhobener Augenbraue garnierter Ironie.
Sei’s drum. Humor nimmt in meinem Gefühlshaushalt jedenfalls einen wesentlich wichtigeren Raum ein als nur ein 27stel des Emotionsregisters. Ich blödle und lache gern – und bin damit auch Gott nahe, wenn der große Soziologe Peter L. Berger (auf den zu treffen ich während meines Studiums in Graz das Vergnügen hatte) recht hat: Humor zeigt die Fähigkeit des Menschen an, die oft harte Wirklichkeit, das scheinbar fix Vor-Gegebene als lächerlich auszuhebeln, ihm eine fantasievolle, absurde, jedenfalls belustigende Alternative entgegenzuhalten. Humor verweise auf die Transzendenzfähigkeit und sei somit eng verwandt mit Religion, so Bergers These.
Meine daran anknüpfende Annahme: Im Himmel wird mehr gelacht als frohlockt. Und Gott würde über folgenden Witz zumindest schmunzeln – einen der wenigen, die ich mir über Jahre merke und den ich vor Jahren aus dem Mund einer inzwischen verstorbenen Großtante meiner Söhne hörte:

Der Papst ist es leid, mit dem Papamobil immer nur kutschiert zu werden. Er möchte selber auch einmal ans Steuer und setzt diesen Wunsch ungeachtet der Bedenken seines mit ihm Platz tauschenden Fahrers auch um. Das Kurven durch die engen Gassen Roms macht ihm sichtlich Spaß, er wird immer mutiger und schneller – und wird prompt von einem Carabinieri gestoppt. Der Polizist blickt ins Wageninnere, erkennt den Lenker und wird blass. Er bittet den Papst, am Straßenrand zu halten und wendet sich etwas abseits an seinen Vorgesetzten. Es entspinnt sich per Telefon folgender Dialog:
„Maresciallo, ich habe gerade jemanden wegen Schnellfahrens angehalten, habe aber Bedenken, eine Strafe zu verhängen. Der Betreffende ist nämlich hochrangig.“
„Das mag ja sein, aber Carabinieri sind unbestechlich. Das Ansehen der Person spielt keine Rolle.“
„Ich weiß, Maresciallo, und normal hätte ich auch keine Bedenken. Aber diesmal handelt es sich um eine wirklich sehr hochrangige Person…“
„Dio mio – um wen denn?!“
„Also genau weiß ich es auch nicht, Maresciallo. Aber der Papst ist sein Chauffeur…“

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