Dana Vowinckel, “Anton und Alma” (Suhrkamp 2026) *****

Ich kann mich nicht erinnern, in einem Buch schon einmal so viel Interessantes über das Judentum und den aktuellen Nahost-Konflikt gelesen zu haben wie im zweiten Roman der erst 30 Jahre alten Berlinerin Dana Vowinckel. Ihre Liebesgeschichte zwischen einem jüdischen Studenten aus intellektuellem Elternhaus und einer Berlinerin ostdeutscher Herkunft mit NS-belastetem Familiennamen spricht neben Hirn aber auch Herz an und ist durch spritzige Dialoge höchst unterhaltsam. Von der Literaturkritik gab es zurecht viel Lob, nicht umsonst findet sich der Titel in der engeren Auswahl für den diesjährigen Deutschen Buchpreis.
Vowinckel schöpft bei ihrem Roman aus ihrer eigenen Biografie: Wie Anton wuchs sie zweisprachig in Berlin auf, in ihrem Fall als Tochter eines jüdischen US-amerikanischen Literaturwissenschaftlers und einer protestantischen deutschen Historikerin. Wie Anton in New York an der Columbia University verbrachte sie viel Zeit bei ihren jüdischen Großeltern in den USA. Und wie Alma es im Roman vorhat, konvertierte Vowinckel zum Judentum – allerdings schon mit elf Jahren.
Die Annäherung der beiden Hauptfiguren erfolgt langsam. Und die beide erfüllende Liebe erfährt einen Bruch, als Anton wegen eines Stipendiums für seine Dissertation – Thema: Konversion zum Judentum – als Historiker in die USA übersiedelt. Er (und auch die Leser:innen) denken anknüpfend daran über Geschichtsschreibung nach: Erfolgt sie immer entweder als Komödie, Tragödie, Romanze oder Satire? Und sind die Narrative über das eigene Leben nicht auch immer eine Variante dessen?
Doch dann kommt es in Israel zur Katastrophe des 7. Oktober und alles ist anders… Anton kehrt verstört zu Alma nach Berlin zurück, die sich inzwischen der jüdischen Community angenähert hat. Erst am Ende hat der 535-Seiten-Roman einige Längen und “rinnt etwas aus”, wie ich finde; den letzten 50 Seiten über Antons Trauerzeit in Genf hätte Straffung gut getan.

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