“Tatort Ephesos”, Neue Hofburg/Weltmuseum Wien, 29.10.2026 ****

Krimis verkaufen sich gut. Und ein wenig hat man den Eindruck, als wollte das KHM mit seiner neuen, im Weltmuseum angesiedelten Sonderschau “Tatort Ephesos” an diese Vorliebe anschließen. Und das wirkt ein wenig konstruiert.
Es geht um Arsinoë IV., die jüngere Schwester der berühmten Kleopatra VII., beide aus dem ptolemäischen Königshaus und Töchter von Ptolemaios XII. Sie war während des Alexandrinischen Krieges 48/47 v.Chr. für einige Zeit Gegenkönigin Kleopatras, die beider Vater eigentlich als Herrscherin Ägyptens vorgesehen hatte. Doch Kleopatra hatte einen mächtigen Verbündeten und Liebhaber: Julius Caesar, Diktator in der mediterranen Weltmacht Rom. Er besiegte das für die Thronrechte des jüngeren Bruders der beiden Schwestern, Ptolemaios XIII., kämpfendes ägyptisches Heer, an dessen Spitze formell Arsinoë stand. Nach ihrer Niederlage musste sie 46 v. Chr. in Caesars Triumphzug erscheinen und ging dann ins Exil in den Tempel der Artemis in Ephesos. Dort wurde sie 41 v. Chr. – drei Jahre nach der Ermordung Caesars – auf Befehl von Marcus Antonius hingerichtet, der damit dem Wunsch der mittlerweile zu seiner Geliebten gewordenen Kleopatra nachkam.
Der mindestens sieben Sprachen beherrschende Spross einer mazedonischen Dynastie Kleopatra sicherte sich die Thronrechte dann noch durch die Vergiftung ihres 15-jährigen Bruders Ptolemaios XIV., setzte mit Marc Anton aber auf das falsche Pferd. Octavian gewann den Machtkampf um Rom nach Caesars Tod, sein Widersacher Mac Anton und Kleopatra endeten durch Suizid.

Um all diese Intrigen und Gewalt geht es in “Tatort Ephesos”, der Titel der Ausstellung hebt allerdings nur einen kleinen Teil davon ins Blickfeld. Hauptthema ist jene Phase im vorchristlichen Jhd., die das Imperium Romanum endgültig für die nächsten 400 Jahre zur Weltmacht Nr. eins werden ließ und den Niedergang der ägyptischen Hochkultur besiegelte, die schon mit Alexander d. Gr. und der nachfolgenden Herrschaft der wie gesagt aus Mazedonien stammenden Ptolemäer ihren Abgesang begonnen hatte. Ich staunte über die Bedeutung Alexandrias als Weltstadt und Bildungszentrum, auch Ephesos war wie Antiochia eine DER Städte des Imperiums. Und staunenswert ist auch das reiche kulturelle Erbe, den das von der habsburgischen Sammellust profitierende Kunsthistorische Museum über diese Epoche besitzt.

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