Ich schätze Ruth Beckermann (*1952) als Regisseurin und Persönlichkeit, ihre vorletzte Kinodoku “Favoriten” über eine Pflichtschule im multikulturellen 10. Wiener Bezirk fand ich berührend und großartig. Ihre neue Doku “Wax & Gold” über eine Recherche im geschichtsträchtigen Hilton-Hotel von Addis Abeba hinterließ mich jedoch etwas ratlos. Es geht darin um … ja, was eigentlich? Zum einen um das Hotel als Mikrokosmos der noch immer von der Regentschaft Haile Selassies geprägter äthiopischen Gesellschaft, um dessen Bedeutung und Macht als letzter Kaiser aus dem Stamm Juda (er verstand sich als Nachkomme des biblischen Königs Salomo und der legendären Königin von Saba) und dessen ungewollte Rolle als Rastafari-Erlöser, weiters um der von Beckermann im Film oft zitierte Bestseller “König der Könige” des polnischen Essayisten Ryszard Kapuściński, um die Modernisierung Äthiopiens, des größten Binnenstaates der Welt, um die Machtergreifung des faschistischen Mussolini-Regimes in “Abessinien” und um persönliche Reiseeindrücke der Regisseurin… etwas von jedem und keines davon wirklich vertieft, wie ich meine.
Gut, die vorkommenden Personen wie der inzwischen greise Architekt des Hotels, ein früherer Diener des Kaisers, der nach dessen Sturz für die neuen kommunistischen Machthaber weiterarbeitete, oder eine Rastafari-Anhängerin aus Österreich sind kurzweilig, die persönlichen Kommentare Beckermanns erhellend. Aber letztlich bleibt bei mir doch die Frage: Worum ging’s da eigentlich?
Beim anschließenden Gespräch im Stadtkino saß die Regisseurin auf dem Podium, die drei anderen fokussierten jedoch so auf die Historizität des bereits Ende der 1970er im kommunistischen Polen erschienenen Kapuściński-Buches, dass wir den Saal vorzeitig verließen.