“Der Revisor” von Nikolai Gogol, Akademietheater, 10.9.26 ***

Die von Korruption verseuchte russische Gesellschaft der ersten Hälfte des 19. Jhd.s geißelt Nikolai Gogol in seiner 1836 uraufgeführten Komödie “Der Revisor”. Es geht um Chlestakow, einen jungen Mann aus St. Petersburg, der in einem Provinzgasthaus abgestiegen ist und aus Geldmangel seine Rechnung nicht bezahlt. Das macht das Gerücht umso glaubwürdiger, dass es sich bei ihm um einen Kontrolleur aus der Hauptstadt handelt, der inkognito die Machenschaften im Dorf unter die Lupe nehmen will. Alle diesbezüglich schuldigen Beamten der Stadt, allen voran der Stadthauptmann, stecken dem vermeintlichen Revisor nun bereitwillig Bestechungsgelder zu, um für vergangene Verfehlungen nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden. Chlestakow hält dies zuerst für Großmut, begreift aber bald, dass man ihn verwechselt. Er spielt das Spiel weiter, verlobt sich sogar mit der Tochter des Stadthauptmanns, macht sich danach aber aus dem Staub. Die Dorfgrößen sehen sich übertölpelt – und sehen zuletzt der Ankündigung des echten Revisors entgegen.
Die Inszenierung der Slowenin Mateja Koležnik im Akademietheater steigert das Groteske der Verwechslungskomödie bis hin zum Klamauk, und das mit einem Bühnenbild mit einem Allzweckturm in der Mitte, das Rätsel aufgibt. Meine Liebste, die die verbilligten Theaterkarten kurzfristig erwarb, fand an dem parodistisch-überzeichneten Bühnengeschehen viel Gefallen; ich deutlich weniger. Ich hab’s lieber subtiler.
Und wie schon bei Brechts “Herr Puntila und sein Knecht Matti”, das wir vor dem Sommer im Burgtheater sahen, stellt sich bei mir ein grundsätzliches Theaterproblem ein: Ich verstehe die Dialoge schlecht, wenn sie – wie in diesen Inszenierungen – begleitet von Nebengeräuschen oder Musik weit hinten auf der Bühne gesprochen werden. Eine Alterserscheinung offenbar, die meine Freude an Theaterbesuchen trübt …
Wird Gogols demaskierender Revisor auch im heutigen Putin-Russland aufgeführt? Ja, mehrfach, wie ich der “Presse” entnehme. “Gogol” hat übrigens auch etwas Maskenhaftes: Der Dichter wurde als Nikolai Janowski geboren, den Beinamen “Gogol” nahm die Familie an, um Kleinadelsprivilegien zu genießen.

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