Ich schätze Graphic Novels seit langem und tausche immer wieder mit meinem ebenfalls Comic-begeisterten Bruder Geschenke dazu aus. Und sogar als Kathpress-Redakteur schrieb ich einmal einen langen Hintergrundartikel über die religiösen Aspekte in qualitätsvollen Graphic Novels. Somit war ich überaus erfreut, dass meine Claudia nach einem ihrer vielen willhaben-Geschäfte mit einer Bildergeschichte über Zweigs berühmte Schachnovelle nach Hause kam. Ich las sie noch vor ihr – und bin angetan.
David Sala, Illustrator und Comiczeichner aus Lyon, gestaltete die Geschichte von einem ehemaligen Gestapo-Häftling, der die monatelange Einzelhaft mithilfe eines Schachlehrbuches übersteht und seine dadurch erworbene Meisterschaft auf einem Überseeschiff in zwei Partien gegen den regierenden Schachweltmeister unter Beweis stellt. Sala tut dies in düsteren, aquarellierten, manchmal rotstichig wirkenden Zeichnungen. Die Konturen der Figuren heben sich dabei wenig vom Hintergrund ab, manche Bilder erinnern an Jugendstilmalerei. Interessant.
Die Sprache (Zweigs?) wirkt manchmal etwas gespreizt, und die Bildtexte sind im Vergleich mit den Dialogpassagen innerhalb der Zeichnungen allzu kleingedruckt, was das Lesen für mich Altersweitsichtigen mühsam machte. Insgesamt ein gelungerer Versuch der in Wien ansässigen bahoe books (von denen ich noch nie gehört hatte). Inhaltlicher Schwerpunkt des Verlags liegt auf der revolutionären Geschichte der europäischen Arbeiterbewegung, ihrer Kritik der politischen Ökonomie, sowie der Herausgabe von Biografien, Prosa und Graphic Novels (darunter auch welche über Popstars wie McCartney, die Stones oder Amy Winehouse.