Adventmail 2024/03 (Farben)

In Kathpress-Meldungen kommt immer wieder mal die „Regenbogenpastoral“ vor. Das ist keine Initiative, die den im Buch Genesis vorkommenden Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen Gott JHWH und dem nach der Sintflut verbliebenen Rest der Menschheit („Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen…“ – na gottseidank aber auch) hervorhebt. Vielmehr geht es um die innerkirchlich nicht unumstrittene Hinwendung zur Gruppe der „Queer“.
Der Regenbogen ist heute ein weithin anerkanntes Symbol der LGBTQ+-Bewegung und symbolisiert Vielfalt, Stolz und die Einheit aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen. Den Anstoß dazu gab wohl der US-Künstler und Aktivist Gilbert Baker, der 1978 auf Anregung des Stadtrats von San Francisco und ersten offen schwulen Politikers in den USA, Harvey Milk, die erste Regenbogenfahne entwarf. Deren Buntheit sollte die Diversität und Einzigartigkeit der queeren Gemeinschaft repräsentieren. Inzwischen existieren viele Versionen der Regenbogenfahne, darunter die „Progress Pride Flag“, die zusätzliche Farben enthält, um marginalisierte Gruppen innerhalb der LGBTQ+-Community, wie „People of Color“ und Transgender-Personen, besser zu repräsentieren.
Trotz der inzwischen großen Verbreitung der Regenbogenfahne gibt es immer wieder auch Konflikte r und um das, wofür sie steht. In vielen konservativ geprägten Gesellschaften und Staaten mit einer starken religiösen Prägung gelten LGBTQ+-Rechte als kontrovers und als Beleg einer westlich-liberalen, „woken“ Agenda, die angeblich traditionelle Werte und Moralvorstellungen bedroht. Beispiele hierfür sind Putins Russland, Polen unter der PIS-Partei, zuletzt Georgien, Saudi-Arabien, Iran und afrikanische Staaten wie Uganda und Nigeria, wo Homosexualität teils streng verboten ist und LGBTQ+-Personen strafrechtlich verfolgt werden.
Apropos: Eines meiner ersten Interviews in den 1980ern als Mitarbeiter des kritischen „Kirche Intern“-Magazins führte mich in die Wiener Rosa Lila-Villa. Der Sprecher der Initiative „Homosexualität und Kirche“ (HuK), Johannes L., erzählte mir damals u.a., der Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger sei schwul. Das Magazin heißt heute „Kirche In“, der Villa steht Türkis voran, das „Kirche“ in HuK wurde zu „Glaube“, der Glaubenshüter wurde Papst Benedikt XVI. So ändern sich die Zeiten.

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