Adventmail 2024/02 (Farben)

Am Sonntag, dem 17. November, um 18 Uhr war es soweit: Der Hashtag lautete #eXit, ein Wortspiel für den Ausstieg aus der Social-Media-Plattform X (früher: Twitter). Dutzende österreichische Medienmacher und andere bekannte Persönlichkeiten legten ihre Accounts still – darunter Ingrid Brodnig, Florian Klenk, Corinna Milborn und Michael Jungwirth. Die Initiative kam von ZiB2-Moderator Armin Wolf, der in seinem Blog schrieb, mit Twitter und im Kontakt mit seinen 600.000 Followern sei es lange „schön“ gewesen. „Ich hätte mir meinen Job in den letzten 16 Jahren ohne Twitter gar nicht vorstellen können im tagesaktuellen Journalismus.“ So habe er dort viele interessante Leute kennengelernt, sich auch sehr amüsiert und sei auf viele Dinge gestoßen, die er sonst nie erfahren hätte, erinnerte sich der von mir sehr geschätzte ORF-Anchorman.
Doch in den letzten Jahren habe sich X „täglich immer weiter radikalisiert“. Seit der Übernahme durch Elon Musk sei es „voller Lügen, aggressiv“, ja, „toxisch“ geworden. Irre hätten X überflutet, Propaganda-Bots, Neonazis, Rassisten, Sexisten, Incels und Verschwörungs-Paranoiker. Deren Inhalte seien durch den Algorithmus nach oben gedrängt worden. Musk selbst sei dabei wie der „Über-Troll“ aufgetreten und habe auch Verschwörungstheorien verbreitet, so Wolf.
Für viel Aufmerksamkeit sorgte ein „Interview“, das Musk mit Trump im US-Wahlkampf auf X führte. Musk ließ Trump seine Falschbehauptungen unwidersprochen verbreiten – unter anderem über Migration, wo der nunmehr Gewählte mit völlig übertriebenen Zuzugszahlen hantierte. „Der hat eine Propaganda-Bude daraus gemacht für seinen Freund Donald Trump. Und das finde ich problematisch bei jemandem, der sagt, sein oberstes Kriterium ist free speech“, erklärte Wolf.
Wie viele andere genervte X-Nutzer wechselte er zu Bluesky. Das sei so etwas wie Twitter vor zehn Jahren, sagte Wolf über den seit 2021 bestehenden Mikroblogging-Dienst. Seit heute, da ich das schreibe (28.11.), ist auch Kardinal Christoph Schönborn – als erster österreichischer Bischof – im blauen Himmel präsent. Der User:innen-Zuwachs lag bei Bluesky Ende November bei circa 250.000 neuen Nutzern pro Tag, hieß es. Auch ich als einer, der findet, die sozialen Medien brauchen Regularien zum Schutz der Demokratie, flattere mit dem blauen Schmetterling mit.

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