Das Christentum ist eine Tochterreligion des Judentums. An keinem Thema wird das deutlicher als bei Erschaffung der Welt (Gott erschuf die Welt, der Mensch erschöpft sie). Das Christentum hat keinen eigenen Weltentstehungsmythos, sondern übernahm die beiden Texte am Anfang des Buches Genesis in der hebräischen Bibel.
Laut dem ersten, literarisch durchkomponierten „priesterlichen“ Schöpfungsbericht aus dem 6. Jhd.v.Chr. erschuf der allmächtige Gott (hier „Elohim“ genannt) aus dem Nichts an sechs Tagen den Himmel (Universum) mit Sonne und Mond, die Erde mit Land und Meeren, Pflanzen und Tieren, den Tag und die Nacht. Und er erschuf mit Adam und Eva das erste Menschenpaar – nach seinem Ebenbild. In der Ruhe Gottes am siebten Tag gipfelt die Erzählung. Und gibt einen bis heute gültigen Wochenrhythmus vor.
Die „jahwistische“ Schöpfungsgeschichte in Genesis 2 (mit dem Gottesnamen Jahwe/JHWH) ist um 400 Jahre älter und zeigt weniger Interesse an der Erschaffung der Welt als an jener des Menschen. Diesen formte Gott aus Ackererde (Adam, hebr. ădāmāh = „Erdboden“) und hauchte ihm Leben ein; später folgte die Frau (Eva, hebr. ḥawwāh = „die ins Leben Rufende“) aus der Rippe des Mannes. Diese Reihenfolge ist feministischen Theolog:innen deutlich weniger sympathisch.
Schöpfungsmythen gab es auch bei anderen Hochkulturen (Sumerer, Zoroastrismus, Hinduismus, Griechen, Germanen, Inka…), der für mich schönste ist die erwähnte Priesterschrift der Genesis wegen seiner poetischen Kraft und seinem Hinweis auf die Gottebenbildlichkeit von Mann und Frau. Mehr Würde geht nicht.