Adventmail 2025/9 (Anfang/Ende)

1832 war das erste Jahr in der Geschichte der Menschheit, in dem zwei Kometen angekündigt waren. Die sich daraus ergebende Furcht vor einem Weltuntergang griff Johann Nestroy in seinem 1833 uraufgeführten „Kometenlied“ auf. Als Schuster Knieriem sang er im Stück „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ über die aus den Fugen geratene Welt am Himmel und auch hier auf Erden im Refrain: „Da wird einem halt angst und bang, / Ich sag’: D’Welt steht auf kein’ Fall mehr lang.“

Die Kollision der Erde mit einem Kometen oder mit einem Asteroiden gilt in der Astronomie immer noch als ein mögliches, wenn auch nicht unmittelbar bedrohliches Szenario für unser aller Ende. Der NASA zufolge nähern sich uns regelmäßig Objekte aus dem All. Die Gefahr des Weltuntergangs oder zumindest einer globalen Katastrophe durch einen Einschlag wird unter Experten tatsächlich so ernst genommen, dass Fachleute aus aller Welt Szenarien durchspielen, um bestmögliche Verteidigungsstrategien auszuarbeiten. Dass der Aufprall eines nur rund 10 km breiten Asteroiden vor 66 Millionen Jahren zu einem Massenaussterben führte und alle Dinosaurier außer den Vögeln vernichtete, gilt in der Wissenschaft als plausibel.

Was bliebe noch übrig, wenn aus den Tiefen des Alls eine Katastrophe hereinbräche?
Wir Menschen wohl nicht.

Als weitere apokalyptische Bedrohungen aus dem All werden gigantische Sonnenstürme, die Kollision von Neutronensternen, die Explosion eines Schwarzen Lochs oder in ferner Zukunft die Verwandlung der Sonne in einen Stern vom Typ „Roter Riese“ genannt.

Wahrscheinlicher sind freilich „hausgemachte“ Gefahren. Die US-Regisseurin Kathryn Bigelow schildert in ihrem jüngsten Film „A House of Dynamite“ eindrucksvoll und nachvollziehbar, wie es 80 Jahre nach Hiroshima und Nagasaki zu einem selbstmörderischen Atomkrieg kommen könnte. Mit über 14.000 Nuklearwaffen weltweit hätte ein atomarer Konflikt katastrophale Folgen für das Leben auf der Erde.

Beim politisch aktuell ins Hintertreffen geratenen Klimawandel ist immer wieder von Kipppunkten die Rede, die irreversible, lebensbedrohliche Zustände schaffen. Schon ab 2050 könnten tödliche Hitze, Wasserknappheit und Lebensmittelmangel Milliarden Menschen betreffen und zumindest das Ende des Anthropozäns einläuten.

Verursachen könnte dies aber auch ein „Supervulkan“: Etwa alle 100.000 Jahre ereignet sich eine Eruption, die das Sonnenlicht für Jahre blockieren könnte. Asche und Gestein in der Atmosphäre sorgen für einen permanenten Winter, das Pflanzenwachstum würde verhindert. Als am wahrscheinlichsten gilt so etwas aktuell durch den Yellowstone-Vulkan.

Weitere Nahrung für Pessimisten böten die Gefahr einer globalen Epidemie, von Gendefekten durch Mikroplastik, durch den Rückgang der Biodiversität oder eine außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz.

Fast alle Weltreligionen haben neben Schöpfungs- auch Weltuntergangsmythen. Denn was anfängt, muss auch enden, sagt die Logik. Bei Judentum, Christentum und auch Islam geschieht das mit dem Jüngsten Gericht, von Michelangelo unübertrefflich dargestellt in der Sixtinischen Kapelle. Endzeitreden gibt es im Neuen Testament mehrfach, doch die „Naherwartung“ des baldigen Reiches Gottes bzw. dann der Wiederkehr Christi war wohl doch ein Irrtum von Johannes dem Täufer, von Jesus selbst und von der Urkirche. Gott lässt sich Zeit. Und sagt uns: Kehrt um, wenn ihr in der Sackgasse seid. Also jetzt.

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