Sehe ich ein Anfänger-Warnschild im Heck eines Autos, bin ich gleich milder in Bezug auf Fehler der/des betreffenden Lenkerin/s. Ich war ja selbst einmal Anfänger hinter dem Steuer – nein: eigentlich zweimal. Das erste Mal, als ich im Sommer nach der Matura die Führerscheinprüfung ablegte und danach mehr als ein Jahr lang keine Fahrpraxis erwarb. Dann hatte ich eine Freundin, die mich regelmäßig mit ihrem VW-Käfer fahren ließ. Das zweite Mal, als ich nach jahrelanger Fahrpause in Korneuburg Teil eines Carsharing-Projekts wurde, für das nette Nachbarn ihr Zweitauto zur Verfügung stellten.
Mein erstes Auto als Mitbesitzer nutzte ich, als ich noch in der autofreien Siedlung in Floridsdorf wohnte – es stand in der Garage unter der Wohnung von Claudia zwei Straßenbahnstationen entfernt, wo auch ich jetzt lebe (nicht in der Garage, Anm.). Und wir sind am Überlegen, ob der mittlerweile 9 Jahre alte Renault Captur nicht das letzte Auto in unserem Besitz sein wird. In Wien kommt man mit Öffis bzw. dem Fahrrad so gut wie überall hin, Einkaufsmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe, und Ausflüge/Urlaube könnten wir auch mit Leih- oder Sharing-Wagen bewältigen.
Von meinen drei in der fußgängerfreundlichen Seestadt lebenden Söhnen (38, 37 und 29 Jahre alt) hat nur einer einen Führerschein – und der nutzt ihn nicht wirklich.
Ich bin übrigens dafür, dass Autofahrer:innen ab einem gewissen Alter Fahreignungstests machen müssen – auch wenn mich das selbst bald betreffen würde. Ich denke an meinen 84-jährigen, vielfahrenden Vater, der einen Augenarztbesuch scheut, weil ihm dann womöglich der Führerschein abhandenkäme. Immerhin meidet er inzwischen das Fahren bei Regen und Dämmerung/Dunkelheit…