„Noch lange keine Lipizzaner“ (Olga Kosanović, Ö 2025) *****

Ein Film zum Ärgern und zum Lachen: zum Ärgern deswegen, weil die bürokratischen Hürden, die der Staat Österreich Zuwanderungswilligen wie der hierzulande geborenen Regisseurin und Drehbuchautorin mit serbischen Wurzeln aufstellt, geradezu absurd sind. Und zum Lachen, weil Kosanović dies mit viel Humor und Fantasie etwa in Form einer Geburtslotterie-TV-Show, mit fiktiven Spielszenen, skurrile Interviews oder einem Zurück-zum-Start-Brettspiel veranschaulicht.

Die 30-jährige Tochter serbischer Eltern thematisiert in ihrer Doku eigene Erfahrungen: Ihr Antrag auf die Ö-Staatsbürgerschaft wurde von der Wiener Einwanderungsbehörde MA 35 abgelehnt. Denn die Filmemacherin hatte während der vergangenen 15 Jahre 58 Tage zu viel im Ausland verbracht – wegen Urlauben in Serbien, ihres Studiums in Deutschland und Prag. Ihr zweiter, weitere Dokumentensammelei erfordernder Anlauf war erfolgreich. Allerdings kann sie offiziell erst Österreicherin werden, wenn Serbiens Behörden die erzwungene Rückgabe des dortigen Passes zeitgerecht bearbeiten. Sonst droht Staatenlosigkeit. Oder erneute Ablehnung, wenn polizeiliche Verwaltungsstrafen wie Fahren ohne Helm oder bei Rot über die Straße anfallen.

Der Titel des Films bezieht sich auf Kosanovićs Teilnahme an einer Puls4-Talkshow zu solchen Themen. In einem Online-Forum reagierte ein Ungustl namens „Desert Eagle“ darauf mit der Maßregelung: „Wenn eine Katze in der Hofreitschule Junge wirft, sind das noch lange keine Lipizzaner.“

Doch der Verweis auf die Spanische Hofreitschule als etwas genuin Österreichisches geht freilich ins Leere: Im slowenischen Gestüt Lipica wurden für die Zucht der weißen Pferde neben Arabern und Andalusiern auch italienische Hengste verwendet.

Diplomat Emil Brix bringt die finanziellen, sprachlichen, verwaltungsstrafrechtlichen u.a. Hürden auf dem Weg zur Staatsbürgerschaft in einem Interview auf den Punkt: Österreich verteidige deshalb so rigide seine Identität, weil es sich seiner selbst so wenig sicher sei. Nur Saudi-Arabien und die VAR haben weltweit ein strengeres Staatsbürgerschaftsrecht als Österreich; in Wien darf ein Drittel der Bevölkerung – darunter meine beiden Stiefkinder – nicht an Wahlen teilnehmen.

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