Meine Top-5-Lieblingskabarettisten im bezüglich Humorist:innen reich gesegneten Österreich sind Klaus Eckel, Alex Kristan, Thomas Stipsits, natürlich Altmeister Josef Hader – und seit gestern Berni Wagner. Für sein aktuelles (fünftes) Programm „Monster“ erhielt der 34-jährige Linzer Wahlwiener zurecht den Österreichischen Kabarettpreis 2025.
Berni macht sich über klischeehafte „richtige Männer“ lustig und deren Eigenart, z.B. ihm mit einschlägigen Schimpfwörtern die damit verbundenen Eigenschaften abzusprechen. Was ihn aber nicht anficht. Er sei bekennender Warmduscher, lieber ein Weichei als Hodenkrebskandidat, und auch wenn er „Mädchen“ oder „Muschi“ tituliert wird, stört ihn das nicht – denn er mag beides. Bei traditionellen Polterabenden und Junggesellenabschieden wisse er oft nicht, ob die Kumpels den Betreffenden in einen neuen Lebensabschnitt begleiten oder aber ihm eine Nahtoderfahrung verabreichen möchten. Und: „Richtige Männer“ wirken oft, als litten sie unter „umgekehrtem Tourette“: Hin und wieder fällt neben Tiraden auch einmal ein normales Wort.
Doch auch in ihm selbst schlummert ein durch kindliche Krampuserfahrungen genährtes Monster, lässt Berni das immer wieder mit einbezogene Publikum im leider sehr engen Niedermair wissen. Es regt sich, wenn etwa Öffi-Benutzer den Platz neben ihnen mit ihrem Koffer verstellen oder wenn jemand sein Handy laut per Videocall benutzt und es dabei wie ein Butterbrot hält. Berni versucht sein inneres Monster mithilfe eines guruhaften Fitnesstrainers zu kultivieren – mit zweifelhaftem Erfolg. Sein theatralisches Talent zeigt der Kabarettist, wenn er mit übergeworfener Boxermantel-Kapuze vom warmduschenden Dr. Jekyll zum monsterhaften Mr. Hyde mutiert.
Zum Schluss wird der studierte Biologe ernst und erklärt, dass Charles Darwin falsch verstanden wird: Nicht die Stärksten, Rücksichtslosesten in der Natur setzen sich durch, sondern die Anpassungs- und Teamfähigen. So ist es.
Große Empfehlung. Anschauen!