Adventmail 2010/01 (Namenstage)

Moskau im Winter, klirrende Kälte, vor der Basilius-Kathedrale liegt Schnee. Ein französischer Tourist besichtigt die üblichen Must-sees wie den Roten Platz und das Lenin-Mausoleum, und er trinkt heiße Schokolade im Café Puschkin, begleitet von einer sprachkundigen Genossin. „Sie hatte einen hübschen Namen, meine Führerin: Nathalie…“
Der wunderschöne Chanson-Klassiker von Gilbert Bécaud (1927-2001) handelt von der Sehnsucht nach dieser Nathalie/Natalja (die heute Namenstag hat). Das Lied entstand 1964, als mitten im Kalten Krieg ein wenig Tauwetter einsetzte: Kurz war von einer „friedlichen Koexistenz“ zwischen Ost und West die Rede, bis Breschnew Chruschtschow auf dessen Datscha in Pension schickte.
Bécaud singt, Nathalie habe in nüchternen Worten über die Oktoberrevolution doziert, ihn hätten aber mehr ihre blauen Augen und blonden Haare interessiert. So was riecht nach unerfüllter Liebe, und tatsächlich klingt das Chanson mit der in einem einsamen Zimmer geäußerten Hoffnung aus, eines Tages würden sich in Paris die Rollen des Gastes und des Fremdenführers umkehren.
Als ich das Lied in den Sixties im noch jungen Sender Ö3 und in Fernseh-Shows hörte, hatte ich noch keine Ahnung von seinem Inhalt. Aber die eingängige Melodie, die stimmigen Rhythmuswechsel und die Anklänge an russische Folklore gefielen mir damals genauso wie heuer, als ich im Sommer quer durch Frankreich fuhr und Musik wie diese hörte.

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