Adventmails 2015/18 (Flucht)

Als Teenager sah ich „Papillon“ (1973) mit Steve McQueen und Dustin Hoffman im Kino. Die spannende Geschichte um die Flucht aus einer Strafkolonie in Französisch-Guayana beeindruckte mich so, dass ich danach auch noch den autobiografischen Roman von Henri Charrière las.
Es folgten noch einige weitere Filme über Gefängnisausbrüche in meiner „Cineastenkarriere“, etwa die Komödie „I Love You Phillip Morris“ (2009) mit Jim Carrey in der Rolle des Trickbetrügers und Hochstaplers Steven Russell, der in der Gefängnisbibliothek den ebenfalls schwulen Phillip (Ewan McGregor) kennen und lieben lernt. Der mit einem Hochbegabten-IQ ausgestattete Steven täuscht, um sich selbst und Phillip zu befreien, seinen eigenen Tod vor. Als „Anwalt“ gelingt es ihm, auch Phillip zu befreien. Das alles ist tatsächlich passiert, auch dass man den beiden auf die Schliche kam und sie wieder einsitzen mussten.
Mein absoluter Lieblings-FluchtausdemGefängnis-Film ist aber „Die Verurteilten“ (1994) nach einer Short Story von Stephen King. Tim Robbins spielt darin den – zu Unrecht – zu lebenslanger Haft verurteilten Andy, Morgan Freeman dessen Freund und Mithäftling „Red“. Der frühere Bankmanager Andy muss einen Spießrutenlauf mit Übergriffen durch andere Insassen und brutale Aufseher erdulden, erringt aber allmählich das Vertrauen des korrupten Bankdirektors und wäscht für ihn in großem Umfang Bestechungsgelder. Red, Spezialist für Besorgungen aller Art, verschafft Andy einen kleinen Geologenhammer und das Poster eines leicht bekleideten Filmstars. Jahre vergehen, bis sich durch Zufall Andys Unschuld herausstellt. Doch der Bankdirektor vernichtet die Beweise dafür, weil er seinen Buchhalter nicht verlieren will und dessen Wissen um seine Machenschaften fürchtet.
Wie Andy mithilfe von Hammer und Poster doch freikommt und zuletzt Red nach dessen Entlassung in Mexiko wieder trifft, macht den 142 Minuten langen Film höchst sehenswert und auch zu einer großen Geschichte über Freundschaft. Nicht umsonst belegt der Film seit mehreren Jahren ununterbrochen den ersten Platz in den Top 250 der Internet-Filmdatenbank IMDb. Und Guido Tartarotti, mein Lieblings-Kolumnist, erwähnte kürzlich „Die Verurteilten“ in einer „Kurier“-Glosse. Er zitierte Andy mit Worten, die gut zu Weihnachten passen: „Die Hoffnung ist eine gute Sache. Vielleicht sogar die beste. Und gute Dinge können nicht sterben.“

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