Adventmails 2015/09 (Flucht)

Es ist Dienstag, der 8. Dezember, 15.20 Uhr, und ich erlege mir Regeln auf: „Ausflüchte“ googeln, auf News klicken und, egal was dabei rauskommt, den aktuellsten Eintrag als Thema dieses Adventmails nehmen…
Ergebnis ist folgende Schlagzeile des US-Korrespondenten der Berliner Tageszeitung „Die Welt“: „Obama will keinen Krieg gegen den Islam“. Es geht um die Fernsehbotschaft aus Weißen Haus an die Nation, kurz nach dem islamistischen Anschlag in San Bernardino.
Der US-Präsidenten wandte sich darin gegen Pauschalurteile gegen den Islam insgesamt. Nur eine sehr kleine Minderheit unter den Muslimen weltweit und in den USA paktierten mit den IS-Killern. Obama räumte aber ein, dass sich in einigen muslimischen Gemeinschaften eine extremistische Ideologie ausgebreitet habe. „Dies ist ein Problem, das die Muslime angehen müssen, ohne Ausflüchte.“
Da haben wir sie also, die Ausflüchte. Es geht nicht um Politikerausflüchte, sondern um „die Muslime“. Hm. Ich versuche mir grad vorzustellen, wie „die Christen“ mit dem Problem umzugehen hätten, dass der am Heiligen Abend (!) vor genau 150 Jahren (!) gegründete Ku-Klux-Klan immer noch sein Unwesen treibt, ja seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten im Jahr 2008 neuen Zulauf verzeichnet. Diese rassistische Terrorbande, die sich selbst als eine radikal protestantische Organisation betrachtet und zuletzt gezielt schwarze Kirchengemeinden attackierte, konnte in einem Mutterland der Demokratie noch nicht unschädlich gemacht werden??, könnten sich Muslime fragen. Und, mit derselben „Logik“: Wo bleibt die Fatwa des Papstes gegen den Ku-Klux-Klan?
Also doch Politikerausflüchte. Denn der Staat mit seinem Gewaltmonopol und nicht die Religionsgemeinschaften sind zuallererst dafür zuständig, in ihrem Bereich gegen Terror – woher dieser auch immer kommt – vorzugehen und die Sicherheit der BürgerInnen zu gewährleisten. Und da fiele mir für die USA schnell was ein: Waffenverkäufe beschränken, Menschenrechte verteidigen statt aushöhlen (Guantanamo!, Patriot Act!), soziale Ungleichheiten eindämmen usw.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert