Als am 12. März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschierten, hat ER sicher nicht gejubelt. Denn seine Bücher – auch sein 1937 erschienener Erfolgsroman „Jugend ohne Gott“ – standen bei den Nazis auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“. Ödon (eigentlich Edmund Josef) von Horváth, österreichisch-ungarischer Schriftsteller, verließ Österreich Richtung Budapest und Rijeka, bereiste einige andere Städte und kam Ende Mai nach Paris. Am 1. Juni traf er den ebenfalls ins Exil gegangenen Regisseur Robert Siodmak, der später in Hollywood Karriere mit Films Noirs machte, um mit ihm über die Verfilmung von „Jugend ohne Gott“ zu sprechen.
Doch noch am selben Abend wurde der erst 36-jährige Horváth während eines Gewittersturms auf den Champs-Élysées von einer umstürzenden Platane erschlagen. Die Beerdigung fand in Anwesenheit vieler Exilautoren am 7. Juni 1938 auf dem Pariser Friedhof Saint-Ouen statt. Wien widmete ihm später ein Ehrengrab auf dem Heiligenstädter Friedhof.
Dem deutschen Kulturredakteur Rainer Schmitz („Was geschah mit Schillers Schädel“, 2006) verdanken wir spannende Details über Horváths ungewöhnlichen Tod: In Amsterdam, kurz vor seinem Paris-Aufenthalt, prophezeite dem für Aberglauben empfänglichen Dichter eine Wahrsagerin Folgendes: „Sie stehen am Vorabend einer Reise, auf der Sie das größte Erlebnis Ihres Lebens haben werden.“ Frau Siodmak wollte Horváth angesichts des üblen Wetters ins Hotel chauffieren, doch dieser lehnte ab: Autofahren verweigerte er aus Angst ebenso wie das Betreten eines Fahrstuhls.
In Horváths Manteltasche will man eine Notiz mit seinem letzten Gedicht gefunden haben: „Und die Leute werden sagen/ In fernen blauen Tagen/ Wird es einmal recht/ Was falsch ist und was echt./ Was falsch ist, wird verkommen/ Obwohl es heut regiert./ Was echt ist, das soll kommen –/ Obwohl es heut krepiert.“