Adventmails 2016/24 (Familie)

Heute zum Abschluss ein Recherchebericht. Ich tippe „Menschheitsfamilie“ in das Google-Suchfeld und finde zuallererst eine Übersetzungsseite ins Englische. „Human Family“, das hätte ich auch so gesagt. Ich klicke auf „News“ …. und lese etwas über eine Spendensammlung von Adveniat zugunsten von bedrohter Schöpfung und ebensolchen Indigenas. Einen kirchlichen Akzent hat auch der Treffer über den Weltjugendtag vom Sommer in Krakau, bei dem Papst Franziskus die jungen TeilnehmerInnen aus aller Damen und Herren Länder ermutigte, sich in der Gesellschaft zu engagieren und sich für Dialog und gegen Hass und Ressentiments einzusetzen.
Ich schränke auf Österreich-Ergebnisse ein und stoße gleich mal auf die von Rev. Sun Myung Moon gegründete „Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung“. Aha, Moon-Sekte; gibt’s die also noch…
Mäßiger Ernteertrag bisher. „Menschheitsfamilie“ – das könnte doch einen Impuls zu Weihnachten geben, der das Herz öffnet und dessen Wärme verströmen lässt, oder?
Ich probier’s mit einem „Gottesurteil“ wie beim „Bibelstechen“: Für den 24. Dezember soll der 24. Link auf der Suchergebnisliste maßgeblich sein. Mal sehen. Und mir wird ein Buch empfohlen, nämlich „Genealogie und Menschheitsfamilie: Dramaturgie der Humanität von Lessing bis Büchner“ von Helmut J. Schneider.
Das ist mir heute zu sophisticated.
Also krame ich in meinem Hirn nach eigenen Erfahrungen zum Thema. Und mir fallen Aleppo und Aotearoa ein.
Aleppo, weil das derzeit die Hölle auf Erden ist und mir die Tränen kommen, wenn ich an meine Reise dorthin vor neun Jahren denke und an die Videos dort Eingekesselter.
Ungleich erfreulicher ist die Erinnerung an die Maori (sprich: ‚Mauri‘), die ich vor neun Monaten auf der anderen Seite der Welt, in „Aotearoa“ (Neuseeland) traf. Und das in Form von vielen Ortsbezeichnungen, dem dort gelesenen Buch „Unter dem Tagmond“ der Maori-Dichterin Keri Hulme, Aug-in-Aug-Begegnungen auf den Straßen von Christchurch, Wellington oder Auckland – und einer Folklore-Darbietung im Kulturzentrum „Te Puia“ in Rotorua, bei der ich den traditionellen Kriegstanz „Haka“ üben durfte. Die Männer machen dabei eine Fratze aus ihrem Gesicht, indem sie möglichst viel Weißes von den Augäpfeln zeigen, die Zunge herausstrecken und dabei Furcht einflößende Töne von sich geben. Befremdend, eigentlich.
Bei all diesen Begegnungen mit einer Kultur am anderen Ende der Erde wuchsen meine Hochachtung und auch meine Zuneigung. Als sich meine Reisegruppe am Ende von unserem seit Jahrzehnten in NZL lebenden Guide Helmut verabschiedete, schrieb ich „Kia ora, e hoa!“ (Leb wohl, mein Freund) auf die gemeinsame Karte. Er verstand und freute sich sichtlich.
Ich kann griesgrämig, zynisch und manchmal ganz schön rechthaberisch sein. Aber unterm Strich liebe ich die Menschen in all ihrer Vielfalt.
Habt ein wunderbares Weihnachtsfest, Ihr Lieben!

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