sendung des sohnes (Robert ME)
die verbotenen wälder
in unserer unbeirrten
doch irrenden zeit
bergen die gefahr
du könntest dich stoßen
an wurzeln an steinen im rund
es stimmt: sie tun not
willst du dein leben retten
zerstreu deine kühe
die saat wirf von dir
und lab dich an quellen
der feuersalamander
setz dich nicht aus
auf der lichtung
sieh dich vor und geh tiefer
dann streift dich
die eule des nachts im flug
du schweig
wenn du die wölfe heulen hörst
sei wachsam: du bleibst
nicht allein in den pochenden wäldern
so nimm meinen segen nimm abschied
und nimm deinen lauf
halt schritt durch das uns angestammte
du wirst schon erwartet
jetzt flieh!
Ich war schon Vater, als ich dieses Gedicht in den 1990ern schrieb. Der Bachmann‘sche Duktus ist geprägt von Zukunftspessimismus, der heute angesichts von „Fridays for Future“ fast prophetisch anmutet: Meine Generation schafft es nicht mehr, das Ruder herumzureißen. Es braucht Junge, die sich nicht blenden lassen von Scheinwerfer-Lichtungen und vom Heulen der Wölfe, die den Mut haben, in unerwünschte Bereiche vorzudringen und sich dabei von der Weisheit streifen zu lassen.
Doch ich will nicht selbst nicht den Kopf in den Sand stecken. „Nah ist / Und schwer zu fassen der Gott. / Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch“, dichtete Friedrich Hölderlin schon vor mehr als 200 Jahren.