Keine Adventmail-Serie, ohne meinem Faible für Popmusik zu frönen, liebe Leute. Diesmal suche ich Songs zum Thema Verwirrung/confusion, eine gängige Emotion bei allen, die sich ver- oder entlieben und nicht so recht wissen, wie damit umgehen. Zwei alte Hadern fallen mir dazu auf Anhieb ein, die ihr wohl auch kennt: „Confusion“ vom Electric Light Orchestra und „Dazed and confused“ von Led Zeppelin. Und bei der Recherche entdecke ich weitere; solche, die nur thematisch dazupassen – wie „Nowhere Man“ von den Beatles –, lasse ich weg.
Der melodiös hübsche ELO-Song aus dem 1979er-Album „Discovery“ stammt aus der Feder von Bandgründer, Leadsänger und Dauersonnenbrillenträger Jeff Lynne (der fast alle Songs von ELO schrieb). Akustisch dominiert wird „Confusion“ nicht mehr von den für die Gruppe davor so charakteristischen Streichern, sondern vom Synthesizer des inzwischen verstorbenen Richard Tandy. Der Text ist nicht weiter erwähnenswert. Es geht um einen Verwirrten, der seine Liebe verlor und nun niemanden mehr zum Anlehnen hat. All das gefiel in Österreich am besten: Platz 5 in den Charts schaffte der Song weder im UK noch in anderen europäischen Staaten.
Nicht hitparardentauglich ist der in der Interpretation von Led Zeppelin wie eine Raubkatze daherkommende Song „Dazed and confused“ (1969). Geschrieben hat ihn der US-Folksänger Jake Holmes, den man heute nur mehr kennt, weil er von Led Zeppelin auf deren legendärem erstem Album mit der brennenden Hindenburg auf der Frontseite gecovert wurde. Holmes hatte anfangs nichts dagegen, erst 1980 bestand er in einem Brief an Jimmy Page auf seiner Autorenschaft, den der Gitarrist aber ignorierte. Erst 2010 klagte Holmes wegen Copyright-Verletzung, die Klage wurde 2012 abgewiesen, obwohl die Melodie unverkennbar abgekupfert ist. Aber es sind die Kreissägestimme von Robert Plant und das psychedelische Gitarrespiel von Jimmy Page, die den Song in die Liste “The Rock and Roll Hall of Fame’s 500 Songs that Shaped Rock and Roll” katapultierte.
Reinhören lohnt sich auch in „Confused“ von Bigman, wie sich der 22-jährige südkoreanische Beatboxer Yoon Dae-woong nennt. Noch jünger ist Ruel van Dijk, 19-jähriger australischer Singer/Songwriter, der auch über „Dazed and confused“ singt. Mein letztes Beispiel für einen „Confused“-Song stammt von der 23-jährigen R’n’B-Sängerin Anayka She, einem TikTok-Star aus den USA, die vor allem durch confusing lange Fingernägel auffällt. Und wer Lust hat, sich auf Spotify die KünstlerInnenliste mit „confused“ im Namen anzusehen/hören, wird ganz confused vor lauter Ergebnissen.