Fußball spielt – obwohl ich als Jugendlicher Sportreporter werden wollte – in meiner journalistischen Arbeit nur selten eine Rolle. Einmal lud Christoph Pelczar, polnisch- und auch sonst stämmiger Priester aus Weikendorf im Weinviertel sowie lange Jahre „Rapid-Pfarrer“, meinen Chef und mich zu einem Match Rapid vs. Sturm Graz ein – für die absehbar gewogene Berichterstattung der Kathpress durften wir sogar in die VIP-Lounge in St. Hanappi. Pelczar ist ein witziger Typ, sehr kommunikativ, energiegeladen, ein stiernackiger Fußball-Enthusiast, der Hochzeiten und Taufen innerhalb der Rapid-Familie im grünweißen Talar zelebrierte.
Doch vor nicht einmal einem Jahr geriet der Priester ins Visier eingefleischter Rapid-Anhänger, als er Obmann des SV Stripfing wurde, des Zweitligisten in seinem Weinviertler Pfarrgebiet. Manche nannte ihn „Judas“ dafür, dass er damit ausgerechnet den Kooperationsklub der Wiener Austria übernahm. Wer grünweiße Scheuklappen trägt, für den ist Annäherung an die Violetten aus Wien-Favoriten, die Rapid-Erzfeinde, ein No-Go.
Und es kam noch dicker: In Pelczars „persönlichem Champions-League-Finale“ warf der David aus der 2. Liga den Bundesliga-Goliath Rapid mit 2:1 aus dem ÖFB-Cup. Pelczar frohlockte im ORF-Sport: „Alle Gebete wurden erhört“, „Glaube versetzt Berge“, es ist „wie Weihnachten und Ostern“ zusammen, sprudelte es aus dem Glückseligen. Die blamierten Rapidler, ihm bestens bekannt, tröstete er: „So ist Fußball.“
Seit Anfang November ist der um Fankultur jenseits von Fanatismus bemühte Priester nicht mehr „Rapid-Pfarrer“. Rapid-Ultras hatten ihm per Transparent u.a. ausgerichtet: „Scher dich zum Teufel!“
Was in Wien grün gegen violett, ist in Graz schwarz gegen rot. Zwei deklarierte Sturm-Graz-Anhänger im Bischofsamt, Franz Lackner (Sbg.) und Wilhelm Krautwaschl (Graz-Seckau), wurden doppelinterviewed, für ein Buch über den „Doublejubel“ der Grazer „Blackies“ in der Erfolgssaison 2023/24 mit Siegen in Meisterschaft und Cup. Seine Diözese plane eine Initiative mit dem Ziel, „bewusst zu machen, dass Fan-Sein nicht heißt, den anderen runterzumachen“, ließ Krautwaschl dabei laut meinem Kathpress-Bericht wissen: „Wir wollen Rivalität, aber mit Respekt.“
Er selbst versuche das vorzuleben, berichtete Krautwaschl: Als steirischer Bischof sehe er sich Matches auch der Liga-Konkurrenten GAK und Hartberg an „und mein Dress ist dann halt immer unterschiedlich“. Beim GAK sei das Hemd gemäß den Vereinsfarben rot und in Hartberg blau. „Schwarz-weiß bin ich ja sowieso.“
Diese Farb-Flexibilität veranlasste Erzbischof Lackner zu einem amtsbrüderlichen Tadel: „Das geht ja überhaupt nicht.“ Auch das von Krautwaschl bei der Sturm-GAK-Versöhnungsinitiative ins Treffen geführte biblische Motto „Liebe deine Feinde“ kommentierte Lackner trocken: „Das geht beim Fußball nicht. Respektieren ja. Aber lieben? Nein.“