Adventmails 2006/08 (Listen aller Art)

5 Wege, um dem weihnachtlichen Geschenkstress zu entkommen

  1. Krank werden:
    Du legst dich am 3. oder 8., spätestens jedoch am 14. Dezember hin und stehst erst am 23. oder 24. wieder auf. Natürlich musst du dafür eine Krankheit finden, die dich tatsächlich ins Bett – oder gar ins Krankenhaus – zwingt. Ein bisschen Grippe genügt keinesfalls, da wird jede/r erwarten, dass du funktionierst wie immer. Aber so richtig krank – da werden alle von Mitleid erfüllt sein und vollstes Verständnis haben, dass du heuer keine Geschenke besorgen kannst. Im Gegensatz dazu wirst du mit Geschenken überhäuft werden. Die Methode ist die sicherste, aber zugleich die unangenehmste. Großer Nachteil: Wer garantiert dir, dass es dir tatsächlich gelingen wird, rechtzeitig wieder auszusteigen???
  2. Arbeit:
    Diese Variante ist nicht ganz so glaubwürdig wie die erste, du musst zumindest durch dauerndes Klagen und Jammern in deiner gesamten Umgebung unmissverständlich klar machen, dass du völlig mit Arbeit ausgelastet bist. Natürlich muss es sich um berufliche Anforderungen handeln, niemand wird dir abnehmen, dass Kochen, Putzen und Kinderbetreuen dich so beansprucht. Nebenbei hast du den Vorteil, dass du es auch locker vertreten kannst, die Vanillekipferl in der Bäckerei zu kaufen, und nichts selber machen musst. Ein weiterer Vorteil ist, dass wirklich bis Weihnachten eine ganze Menge Arbeit erledigt ist, und du selbst so erledigt bist, dass du dir dann zumindest einen Urlaub vergönnen kannst/musst. Leider hat das auch einen Nachteil: Du gewinnst nämlich im Grunde gar nichts, was den Stress betrifft. Du tauschst nur Geschenkstress gegen Arbeitsstress – warum dann nicht gleich jenen Stress wählen, der anderen mehr Freude macht?
  3. Religiös sein:
    Du deklarierst ganz eindeutig, dass du Weihnachten heuer wirklich als religiöses Fest begehen willst, und daher den ganzen Konsum-Schnickschnack nicht mitmachst. Nun wirst du das aber kaum vertreten können, wenn du sonst die ganze Zeit über ein fröhliches Konsumleben führst. Du kannst nicht plötzlich zu Weihnachten Religiosität mimen. Du musst das also durch regelmäßige religiöse Handlungen untermauern. Dafür eignen sich besonders die adventlichen Roratemessen, für die du dann eben mehrmals wöchentlich frühmorgens in die Kirche eilst. Du kannst es auch weniger christlich angehen und mit regelmäßiger Meditation beginnen, was dir sowieso nicht schaden kann, denn du brauchst eine Menge Standfestigkeit, um diese Position durchzuhalten – gelingt es dir wirklich, die Rolle als religiöse/r Miesmacher/in gegenüber all den Geschenksüchtigen und Schenktüchtigen zu vertreten? Und mach dir klar, dass auch keine/r dir was schenken wird. Wenn du das in Kauf nehmen willst, ist die folgende Methode vielleicht weniger anstrengend…
  4. Abmachung, einander nichts zu schenken:
    Es dürfte nicht weiter schwierig sein, unter Erwachsenen (Kinder sollten eher ausgenommen werden) Verbündete für diese Abmachung zu finden, zumindest dann, wenn du dich in aufgeklärten Kreisen bewegst, die nicht mit einem spielverderberischen „Ich schenke aber gern…“ parieren. Der große Vorteil liegt darin, dass die Erleichterung für alle Beteiligten im Vordergrund steht: Kein verzweifeltes Suchen mehr, was wer gern kriegen würde! Der Nachteil: Schnell kommt die Idee auf, dass man jetzt, wo keine Geschenke mehr überreicht werden, zumindest kleine symbolische Dinge in Händen halten will, wenn man „Frohe Weihnachten“ wünscht. Es beginnt also das Rasen durch die Weihnachtmärkte von vorne, bloß sucht man nicht für jede/n individuell, sondern überlegt, welches kleine symbolische Ding – Kerze, Tee oder gar Naturseife – sich sowohl für den Bruder als auch für die Fini-Tante eignet (denn symbolisch müssen alle dasselbe kriegen, sonst ist ja der Vorteil weg). Und wetten, dass diese kleinen Dinge im nächsten Jahr schon ein bisschen größer werden…?
  5. Ein Abo schenken:
    Das ist die Methode mit Langzeitwirkung! Allerdings musst du vorher die Mühe auf dich nehmen, herauszufinden, was deine Lieben gerne lesen. Ist dir das gelungen, so entfaltet sich der Vorteil wunderbar im darauf folgenden Jahr. Im November bereits flattert der Brief bei dir herein: „X bezieht die Zeitschrift Y in Form eines Geschenks, das Sie seinerzeit bei uns bestellt haben. Falls Sie den Wert Ihres Geschenks erhöhen, d.h. die Gültigkeit des Abos verlängern wollen, bitten wir Sie um Einzahlung mit beigelegtem Zahlschein…“ Zahlschein nehmen – einzahlen – fertig! So einfach ist das – schätzungsweise 2 Jahre lang. Spätestens dann beginnt sich das Gefühl breitzumachen, du hast nicht ein Abo als Geschenk, sondern ein Abo auf ein Geschenk erworben. Fantasielos! Also zumindest irgendwas kleines und fantasievolles Symbolisches solltest du schon in Händen halten, wenn du „Frohe Weihnachten“ wünschst. Weiter wie oben…
    Fröhlichen Geschenkstress!

Claudia, 48, Lehrerin und Liedermacherin

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