Wird ein Huhn geboren, wenn die Henne ein Ei legt oder wenn es aus der Schale schlüpft?
Hm, zweiteres, würde ich sagen, und die Frage bringt mich zum Unterschied zwischen „Oviparie“ und „Viviparie“. Wir Menschen sind nämlich wie alle höheren Säugetiere, aber auch Beutelsäuger sowie einige Reptilienarten „vivipar“, also lebendgebärend. Die anderen Wirbeltiere sind „ovipar“, also eierlegend.
Bei lebendgebärenden Tieren und bei Menschen bleibt der Nachwuchs während der gesamten Embryonalentwicklung im Mutterleib. Der älteste fossile Beleg für Lebendgebären ist der 380 Millionen Jahre alte Fund eines mit einer Nabelschnur mit der Mutter verbundenen Embryos des längst ausgestorbenen Panzerfisches „Materpiscis“.
Entwicklungsgeschichtlich am ältesten ist die ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Zellteilung. Erst vor etwa 700–800 Millionen Jahren trat die geschlechtliche Fortpflanzung auf, durch die sich die Artenvielfalt auf der Erde drastisch erhöhte. Diese wiederum geschieht zweigeschlechtlich durch „Mama“ und „Papa“ oder eingeschlechtlich als „Jungfrauengeburt“ (Parthenogenese), bei der Nachkommen aus unbefruchteten Eizellen entstehen.
Und jetzt kommt’s: „Bisher nachgewiesen wurde Parthenogenese, die auf natürliche Weise zu voll entwickelten Tieren führt, unter anderem bei Haushühnern“, weiß Wikipedia. Sie tragen dann nicht das Erbgut zweier Elterntiere in sich, sondern nur das mütterliche. „Das ist schlecht für die genetische Vielfalt in einer Population und begünstigt Erbkrankheiten“, merkte „Die Zeit“ im Fensterchen 15 ihres Adventskalenders 2009 zur Frage „Gibt es die Jungfrauengeburt?“ an. „Dass Weibchen, die den Jungfrauentrick beherrschen, ihn nur anwenden, wenn sie – etwa in Gefangenschaft – kein geeignetes Männchen finden, ist da kein Wunder.“
Tja, wieder was gelernt. Ob ich das meinem Stiefvater in Kapfenberg erzähle, der früher in weinseliger Stimmung öfters das steirische Liedchen anstimmte: „Mutti, guck, da Hauhn sitz scho wieda auf da Gluck…“?