Adventmail 2019/19 (Thema Gedichte)

Sachliche Romanze (Erich Kästner, 1928)

Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wußten nicht weiter.
Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Cafe am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend saßen sie immer noch dort.
Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

Trennungen tun weh und machen immer auch etwas rat- und orientierungslos. Stimmig eingefangen hat dies der zu Unrecht v.a. für seine Kinderbücher bekannte Erich Kästner in diesem 1928 entstandenen, auch biographisch angeregten Gedicht.
Ich kannte es schon, als mich ein mir lieber Mensch daran erinnerte und auch auf die Vertonung durch den famosen Hermann van Veen aufmerksam machte. Da kommt Wehmut auf…

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