KA-Salon „Brot, Wein und Bildung“

Fortsetzung der hochkarätig besetzten KAÖ-Gesprächsabende in lockerer Atmosphäre, diesmal (am 22.9.25) mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr und der Ordensschulverantwortlichen Maria Habersack. Beide engagiert und kompetent, das ergab mit einem fachkundigen Publikum einen anregenden Abend in der Spiegelgasse.

Wiederkehr, Moderator Immervoll, Habersack auf dem Podium im KA-Salon, Spiegelgasse

Nur, es ist halt so mit dem Thema Bildung in Österreich: Es ist ein ideologisches Exerzierfeld, auf dem Parteipolitik deutlich mehr zählt als wissenschaftlich-pädagogische Erkenntnisse. Und der Föderalismus mit der damit verbundenen Kompetenzzersplitterung trägt das seinige dazu bei, dass die Bildungslandschaft hierzulande wirkt wie eine verblassende Schwarzweißaufnahme aus grauer Vorzeit.

Dabei läge auf der Hand, was wirklich Verbesserungen schaffen würde und woran es krankt: Strukturen und Inhalte wirken wie aus der Zeit gefallen, der Fächerkanon ist viel zu starr. Wann bitte hab ich in meiner Schulzeit etwas im Leben Brauchbares über Verträge abschließen, Geld anlegen, gesund ernähren, Medienerziehung … gehört – und ich fürchte, nein: weiß, dass sich seit 40 Jahren immer noch dieselben Defizite zeigen.

Wiederkehr nannte als seine Vision, dass alle Schüler:innen gerne in die Schule gehen; nur: fast alle verlieren die anfängliche Neugier und Begeisterung rasch, Interesse und Eigenmotivation sinken spätestens nach der Volksschule.

Was sicher auch daran liegt, dass die Schule hierzulande defizitorientiert ist. Statt Talent zu fördern, liegt der Fokus auf Fehlern. Viele Begabte wenden den Großteil ihrer Energie für den Erfolg in Fächern auf, die sie nicht interessieren bzw. in denen sie Probleme haben.

Und: In Österreich wird Bildung „vererbt“: Sprösslinge aus bildungsfernen Schichten werden viel zu wenig ermutigt, einen anderen Lebensweg einzuschlagen als ihre Eltern. Bei Migrantenfamilien ist diese Problematik nochmal deutlicher ausgeprägt.

Wichtig wäre auch mehr Augenmerk auf lebenslanges Lernen. Bildung ist ja nicht nur ein Thema für die Kindheit und Jugend; die Volkshochschulen reichen längst nicht aus, um auch Ältere zur Horizonterweiterung anzuhalten.

Somit wirft jede Bildungsdiskussion in Österreich Problemfelder auf, die zum Namen des zuständigen Ministers passen: Wiederkehr.

Ein Gedanke zu „KA-Salon „Brot, Wein und Bildung“

  1. Das Satzfragment „… ideologisches Exerzierfeld, auf dem Parteipolitik deutlich mehr zählt als wissenschaftlich-pädagogische Erkenntnisse“ spricht mir aus dem Herzen. Oder wie der „größte“ Bildungsminister aller Zeiten sinngemäß sagte: Wir wüßten ja aus der Forschung, was richtig wäre, aber es ist in Österreich politisch nicht durchsetzbar …

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