Adventmail 2008/24 (Briefe an…)

treborme@gmx.at an margot.schindler@volkskundemuseum.at
Sehr geehrte Frau Direktorin!
Ich war dieser Tage in der aktuellen Sonderausstellung des Volkskundemuseums. Ich fand es schade, dass Weihnachtskrippen dort lediglich als „Spiegelbilder vergangener Lebenswelten“ vorkommen und kein einziges Beispiel, das in UNSERER heutigen Lebenswelt angesiedelt ist. Aber ich hätte da was für Sie, das Sie vielleicht interessiert:
Ich war lange Mitglied des Krippenbauvereins Rheindelta in Höchst und habe mich dort an Krippen versucht, die das Geburtsgeschehen Christi in die heutige Zeit „übersetzen“ (nicht immer konfliktfrei mit der Vereinsleitung, wie ich zugeben muss). Ein solches Exemplar habe ich nach meiner Übersiedlung nach Wien mitgenommen und stelle es jedes Jahr unterm Christbaum auf.
Zu sehen ist eine Garage, in der ein dunkelhäutiges Paar (ich dachte an afrikanische Asylwerber) ihr neugeborenes Kind in einen Karton mit Lumpen betten. Sie selbst sitzen auf Autoreifen. Statt Ochs und Esel sieht man im Hintergrund eine Ratte und in einem kleinen Fenster eine Taube. Am Dach der Garage ist eine Satellitenschüssel befestigt, weiters ein Werbeplakat mit der Aufschrift „Süßer die Handys nie klingeln… A1“.
Zur Szenerie gehören auch noch die „Hirten“: ein Zeitungskolporteur mit Turban, ein „Sandler“ mit einem Doppelliter in der Hand und ein Sensationsreporter, der gerade seine Blitzlichtkamera auf das „heilige Paar“ anlegt.
Bei Interesse würde ich Ihnen die auf einer 50 mal 30 cm großen Platte montierte Krippe als Leihgabe überlassen – ev. sogar als Kaufobjekt (ich plane nämlich gerade die Umsetzung einer „Flachbildschirmkrippe“, bei der eine ähnlich gelagerte Weihnachtsszene per Mausklick animiert werden kann…).
Mit vorweihnachtlich erwartungsvollen Grüßen,
Robert Melchart, Wien 21

Liebe Freunde und Freundinnen,
das war’s für heuer.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen ein fried- und freudvolles Weihnachtsfest, bei dem Ihr Euch „von guten Mächten wunderbar geborgen“ fühlen könnt. Und weiter mit den Worten Dietrich Bonhoeffers angesichts des prognostizierten Krisenjahres 2009: „Erwarten wir getrost, was kommen mag….“
Robert

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