In meinen 32 Jahren als Kathpress-Redakteur hab ich nur zwei Pontifikatsanfänge (Benedikt, Franziskus) und zwei Pontifikatsenden (Johannes Paul II., Benedikt) miterlebt. In seiner langen Ära leistete der Wojtyła-Papst einen wesentlichen Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhangs in Europa, es gab aber auch Einschränkungen der theologischen Freiheit (Hans Küng!) und fatale Bischofsernennungen (Groer, Krenn, Eder…). Seinem Tod nach 26½-jähriger Amtszeit gingen Jahre körperlicher Gebrechlichkeit bis hin zur Sprechunfähigkeit voraus. Auf die mehrfache Anregung zum Rücktritt entgegnete der polnische Papst, er lege die Dauer seiner Amtszeit in Gottes Hände.
Anders sein Nachfolger Joseph Ratzinger, der schon unter Johannes Paul II. sowas wie der zweite Mann im Vatikan war und als Präfekt der Glaubenskongregation bei fortschrittlichen Theologen wie mir kaum Sympathiepunkte sammelte. Als er am 19. April 2005 als Benedikt XVI. mit seinem zähnefletschenden Lächeln auf den Balkon des Apostolischen Palastes trat, war ich trotz seiner bescheidenen Worte über sich als „einfachen und bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn“ entsetzt über die Wahl. Der intellektuelle Deutsche auf dem Stuhl Petri war im Februar 2013 – als 85-Jähriger – einer der wenigen Päpste, die freiwillig von ihrem Amt zurücktraten. Was ich ihm hoch anrechne, auch wenn er sich danach von Konservativen noch als „Papa emeritus“ instrumentieren ließ.
Groß war dagegen meine Freude, als Jorge Mario Bergoglio mit den schlichten Worten „Fratelli e sorelle, buonasera“ sein Papstamt antrat. Noch dazu erstmals als ein Franziskus, nach dem glaubwürdigsten aller Heiligen. Ich saß damals mit dem Grazer Bischof Egon Kapellari im Konferenzzimmer der Kathpress und sollte dessen Reaktion in eine Meldung gießen. „Was, ein Jesuit?!“, nahm der Bischof überrascht Bezug auf eine weitere Premiere. Papa Francesco blieb mir sympathisch, trotz gelegentlicher Machismo-Ausrutscher; aber so sind ältere Herren aus Lateinamerika nun mal.
Seinen Tod im April 2025 und die Wahl Leos XIV. im Mai verfolgte ich von der stressarmen Pensionistenbank aus, wohl wissend, was sich da grad in der Redaktion abspielt. Vom ersten US-Amerikaner als Pontifex Maximus habe ich noch einen wenig nuancierten Eindruck. Dass er sein Amt mit den Worten “Peace be with you! Beloved brothers and sisters, this is the first greeting of the Risen Christ“ begann, finde ich in Zeiten wie diesen immerhin sympathisch und passend.
Danke Robert! Entspricht in etwa dem, was ich spürte bzw. spüre!