„Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist das nicht das Ende.“ Dieses Zitat wird immer wieder John Lennon zugeschrieben. Laut dem Tiroler Literaturwissenschaftler Gerald Krieghofer, der in „Die besten falschesten Zitate aller Zeiten“ (Molden 2023) über „Kuckuckszitate“ informiert und dazu auch bloggt (https://falschzitate.blogspot.com/), war der Urheber aber nicht Lennon, sondern der brasilianische Autor Fernando Sabino (1923-2004). Der sei deprimiert gewesen und habe von seinem Vater folgenden Trost vernommen: „Mein Sohn, am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende.“
Was nicht gut und wo leider auch noch kein Ende absehbar ist: bei der inflationär in Politik-, Wirtschafts- und jetzt auch Sportinterviews verwendeten Floskel „am Ende des Tages“ (AEDT). Geht mir mächtig auf den Sack. JedeR, die/der auf sich hält, meint, diese aus dem Englischen entlehnte Phrase (at the end of the day) verwenden zu müssen. Weil Alternativen wie „im Endeffekt“, „letzten Endes“, „letztlich“, „schließlich“ oder „schlussendlich“ zu wenig sophisticated wirken?
Die Berliner Genossenschaftszeitung „taz“ veröffentlichte 2022 eine „Floskelkritik“ unter dem resignierenden Titel „Ohne Ende am Ende des Tages“. Schon vor mehr als zehn Jahren hätten wache Kolleg:innen „angemessen angepisste Artikel“ über das „algenblütenartige Anwachsen“ von AEDT geschrieben, ist dort zu lesen. Damals allerdings im Managersprech verortet, „heute schallt sie einem schon frühmorgens aus jedem zweiten Politinterview entgegen, mit einer mümmeligen Mundgeruch verbreitenden Penetranz, dass sich einzig der Weg zurück in Bett als Rettung vor einem trüben Tag und seinem unvermeidlichen Ende anbietet“, wie es herrlich polemisch weiter heißt.
Die Berliner Agentur „textbest“ wies darauf hin, dass es AEDT hinter „zeitnah“ bereits 2015 auf Platz 2 bei den „10 schlimmsten Floskeln im Bürodeutsch“ schaffte. Heute stecke die Floskel allerdings „in der Spätphase ihrer Karriere als ausgelutschte Metapher“. Lasst uns hoffen so! Oder wird am Ende des Tages klar sein, dass wir den Tag nicht vor dem Abend hätten loben sollen?
Auf Englisch verwende ich selbst sehr häufig die Floskel „in the end“. Auf Deutsch glaub ich kommt das zumindest nicht so durch ^^
Am Ende des Tages hab ich von Anfang an als unpassende Eindeutschung empfunden, die leider trotzdem so großen Anklang gefunden hat… Da kann ich noch eine weitere mich nervende Floskel hinzufügen: „einen schönen Abend noch“ – wird mir und anderen gewünscht, wenn der Tag schon längst vorbei ist , wenn ich als Solistin heimkehre und vielleicht noch irgendwas streame oder lese, was sicherlich schön ist, aber das auch ohne diesen Wunsch!